Donnerstag, 25. November 2010 | Felix | Permalink

Zwölf Euro für den Ryder Cup

Das Deutschland sich neben Frankreich, Holland, Spanien und Portugal um die Ausrichtung des Ryder Cup 2018 beworben hat, sollte mittlerweile die Runde gemacht haben. Jetzt ist man hier im Land auch in Sachen Finanzierung der Veranstaltung einen Schritt weiter, und spätestens jetzt wird es Zeit für eine winterlich-heiße Diskussion: Wollen wir das Teil überhaupt? Doch zunächst ein paar Details.

Jersbek, Bahn 1

Jersbek, Bahn 1, „Wer das nicht möchte, der kann ja Fußball spielen.“

Über den Fall Schweden hatten wir ja bereits berichtet. Die Kollegen haben sich trotz einer der vielleicht schönsten Plätze Europas aus der Nummer zurückgezogen, mit der Finanzierung hätte es einfach nicht geklappt.

In Deutschland sah es in monetärer Hinsicht lange Zeit ähnlich düster aus, aber hier hat man jetzt eine Entscheidung getroffen, die uns aus der Politik nur zu gut vertraut ist. Denn dort erhöht man – wenn andere Maßnahmen es nicht richten oder man einfach keine pfiffigen Ansätze entwickelt kriegt oder einfach gleich was Tolles im Fernsehen läuft und man nun wirklich keine Zeit mehr hat – einfach die Steuern.

Genau das macht jetzt der DGV. Am 20. November hat der Deutscher Golf Verband nämlich beschlossen, dass die Jahresbeiträge für Golfer im Zeitraum 2011 bis 2022 um einen Euro angehoben werden, vorbehaltlich des Zuschlags für die Ausrichtung. Jeder von uns wirft also entspannte 12 Euro in die Kasse, und wer das nicht möchte, der kann ja Fußball spielen. Oder Tennis. In der Masse macht das bei konservativer Mitgliederentwicklung in Deutschland gute sieben Millionen Euro, das hilft der Veranstaltung auf jeden Fall ein Stück auf die Beine. Das Problem ist nur, dass man von diesen 12 Euro schlicht und ergreifend nichts hat.

Wir haben den Ryder Cup dieses Jahr sehr genau beobachtet, allerdings aus der Ferne. Die Tickets für den einfachen Zugang am Finaltag lagen bei zünftigen 130 Pfund Sterling, das sind über 150 Euro, das sind fast sechs Studententeller inklusive Greenfee, das ist einfach zu viel. Zudem handelt es sich beim Ryder Cup um ein Matchplay. Dieses Jahr war das halb so wild, die Entscheidung fiel ja tatsächlich im letzten Match auf Bahn 17. Es kann aber auch sein, dass so ein Finaltag nach einer Hand voll Begegnungen durch ist, vielleicht sogar irgendwo hinten an Bahn 14 entschieden wird, während man selbst gerade einer aufregenden Partie an Bahn 8 folgt. 150 Euro für ein wenig Jubel in der Ferne ist ein denkbar schlechter Kurs.

Also haben wir uns den Medien zugewandt – und wurden ganz bitter enttäuscht. Der Ryder Cup 2010 fand in Deutschland nämlich schlicht nicht statt. Im frei empfangbaren Fernsehen gab es Poker mit den Stars und Dart, mehr war nicht drin. Wer sein Geld zu Sky getragen hatte, wurde ebenfalls nicht richtig glücklich. Die stundenlange Feierei nach dem Sieg über Amerika konnte man sich nämlich ausschließlich in unter der Hand empfohlenen Streams im Internet anschauen. Sky schaltete kurz nach dem letzten Putt um und brachte ein altes Interview mit Martin Kaymer. Das war allerdings bereits bekannt, denn das hatte Sky auch schon in den Regenpausen gesendet. Noch lustiger war die Ankündigung des Senders, den Finaltag in 3D zu übertragen. Gute zwei Wochen vor der Veranstaltung haben wir eine Anfrage an den Sender zu diesem Thema gegeben, auf eine Antwort warten wir bis heute. Die Tatsache, dass die großen Tageszeitungen der Zusammenfassung der Veranstaltung im Schnitt eine halbe Seite gegeben haben, kann dieses wirklich trostlose Bild auch nicht retten.

Schloss Lüdersburg, Lakes Course, Bahn 10

Schloss Lüdersburg, Lakes Course, Bahn 10, „pure, intensive und riesengroße Freude“

Wer nun den Eindruck hat, dass mit Golf hier im Land etwas nicht so richtig rund läuft, findet sich schnell bestätigt. Denn so sehr Martin Kaymer auch strahlt, der Rest sieht weitaus weniger feierlich aus. Selbst der Spiegel berichtet über stagnierende Mitgliederzahlen und einen DGV, vom dem in dieser Hinsicht keine inspirierenden Ansätze zu erwarten sind. Die eingangs erläuterte Steuererhöhung und haarsträubende Entscheidungen wie der CSA-Ausgleich untermauern das. In diesem Zusammenhang erinnere ich auch gerne noch einmal an eines der absoluten Entscheidungs-Highlights, die DGV-Ausweise mit einem Hologramm, welches die Mitgliederstruktur des Clubs indiziert. An welcher Stelle es da genau um Golf ging, ist mir bis heute schleierhaft. Bei solchen Geschichten muss man fast froh sein, dass trotzdem noch Leute mit Golf anfangen.

Aber auch im Profisport finden sich Indizien dafür, dass Golf hier einfach nicht rockt. Gerade einmal sieben Spieler aus Deutschland sind aktuell im Race to Dubai gelistet. Um das einmal ins Verhältnis zu setzen: Frankreich ist mit 25, Spanien mit 27 Spielern am Start, Schweden bringt es auf ganze 35. Okay, Portugal kann das mit zwei Spielern locker unterbieten, die machen das aber mit drei Turnieren auf der Tour wieder gut. So häufig ist die Gang übrigens auch in Frankreich zu Gast, in Spanien hält die Tour stattliche sechs Mal im Jahr. Deutschland? Ein Turnier und Feierabend. Es waren mal drei, bei zwei Veranstaltungen sind in den letzten Jahren die Titelsponsoren ausgestiegen. Da kann man noch so häufig mit seinem Hologramm wedeln.

Man könnte tatsächlich zu der Überzeugung kommen, dass Golf in Deutschland generell einfach kein Zuhause hat. Irgendwie passt das aber nicht. Dieser Eindruck ist nämlich das exakte Gegenteil von dem, was ich bei jedem Schlag, bei jedem Klötern der Schläger im Bag auf meinem Rücken, bei jedem Eintrag auf der Scorekarte, bei jedem tiefen Atemzug mittem auf dem Fairway und bei jedem Einsteiger in den Golfsport, der in unserer Gegenwart zum ersten Mal einen Ball trifft, erlebe – nämlich pure, intensive und riesengroße Freude. Golf ist eine der mit Abstand schönsten Sportarten der Welt, und sie macht es einem unfassbar leicht, das in jedem Augenblick da draußen auf dem Platz intensiv zu spüren.

Würde die Idee, den Ryder Cup 2018 nach Deutschland zu holen, aus genau dieser Freude heraus entstehen, ich würde die Veranstaltung mit offenen Armen willkommen heißen und sie ganz fest drücken. Bei der ganzen Vorgeschichte drängt sich aber der Eindruck auf, dass es hier um etwas ganz anderes geht. Vermutlich will sich einfach jemand „Ich habe den Ryder Cup nach Deutschland geholt“ als Aufkleber hinten auf den Wagen pappen und damit vor dem Clubhaus rumprollen. In den einschlägigen Foren ist die Idee mit dem Soli-Euro nämlich grandios durchgefallen. Die Entscheidung scheint also eine erhebliche Distanz zu den Herzen zahlreicher Spielerinnen und Spieler zu haben.

Dass der Soli-Euro dabei nicht ankommt ist keine Überraschung. Schließlich unterstützt man damit ja auch den Bau eines Golfplatzes, den man sich vermutlich nie wird leisten können. Von den gut 700 existierenden Anlagen in Deutschland kommt nämlich keine für die Veranstaltung in Frage. Man baut also einen neuen Kurs, und auf dem wird man nach der Veranstaltung den Zusatz „Ryder Cup 2018“ – da bin ich sicher – in epischer Form im Greenfee wiederfinden.

Vielleicht soll der Ryder Cup ja aber auch nach Deutschland geholt werden, um von diesen ganzen häßlichen Entscheidungen und Problemen abzulenken. Mit dem gemeinsamen (Obacht, ich benutze den folgenden Begriff im sportlichen Zusammenhang und weise darauf hin, dass ich Amerikaner sehr gerne habe, insbesondere Craig Ferguson.) Feindbild Amerika könnten wir auf dieser Seite doch alle so schön zusammenrücken. Diese Idee ist allerdings absoluter Firlefanz, denn wer ernsthaft an der Indizierung von Mitgliederstrukturen durch ein Hologramm interessiert ist, dem ist es vermutlich mehr als gleichgültig, was genau eigentlich die Spielerinnen und Spieler denken.

Dann hätten wir noch den wirtschaftlichen Aspekt, denn eine Veranstaltung in dieser Größenordnung hat eine immense Strahlkraft. Alleine die Hotelübernachtungen der Spieler, Veranstalter, Partner und Zuschauer regen vermutlich jetzt schon die Fantasie rund um Neuburg an der Donau an. Düsseldorf wird das demnächst in Bezug auf Mai 2011 und den Eurovision Song Contest spüren. Aber wenn hier tatsächlich das Interesse liegt, dann lasst uns doch einfach auf die Bewerbung für München als Austragungsort der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018 konzentrieren. Da ist einfach die Masse an begeisterungsfähigen Menschen größer (alleine der Deutsche Skiverband zählt fast doppelt so viele Aktive wie der DGV) und es bliebe ja sogar im Bundesland.

Nüchtern betrachtet wäre es also geradezu dämlich, wenn wir den Ryder Cup 2018 nach Deutschland holen. Wir würden ihn nicht im Fernsehen sehen, Karten könnten wir uns eh nicht leisten, zu allem Überfluss müssten wir auch noch 12 Euro dafür zahlen und wir hätten danach noch einen unbezahlbaren Golfplatz mehr. Ginge die Veranstaltung hingegen nach Frankreich, Spanien, Portugal oder in die Niederlande, könnten wir uns für das gesparte Geld einen Kasten Bier kaufen und es uns vor einem (vermutlich halblegalen) Stream so richtig gemütlich machen.

Tja, und emotional betrachtet ist es ganz ähnlich. Golf ist in Deutschland einfach noch nicht angekommen. (Wer hier das Bild von Martin Kaymer am Finaltag der BMW International Open 2008 am 18. Grün mit einer Tribüne voller Deutschland-Fahnen im Hintergrund einwendet, dem sei gesagt: Stimmt. Aber es war halt auch das einzige Bild, was es von dem Turnier zu sehen gab.) Es ist die Frage, ob wir 2018 so weit sind, aber das halte ich für äußerst unwarscheinlich. Hier in Lüneburg arbeiten wir zwar hart daran, aber auch wir haben jeden Tag daran zu knabbern, dass sich dieser Sport so verdammt viel komplizierter macht als er nun mal ist. Viel eher ist es doch so, dass sich ein DGV, der den „Ryder Cup nach Deutschland geholt“ hat, in seinem Agieren bestärkt sieht und den Kurs erst recht nicht ändert. Wenn das eintritt, dann könnte der Ryder Cup tatsächlich zu einer handfesten Gefahr für Golf in Deutschland werden, und dafür sind 12 Euro nun auf alle Fälle zu viel.

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Kommentare [2] | Kategorien: Profigolf, Unterhaltung

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Es gibt 2 Kommentare:

Sebastian am 26.11.2010 um 10:01 Uhr:

der artikel ist mindestens 12 euro wert…hut ab!

Johannes am 30.11.2010 um 16:36 Uhr:

Na mal schauen….vielleicht können sich Mitglieder des DGV die 12 Euro auf den Kartenkauf anrechnen lassen ;-)

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