Donnerstag, 4. Februar 2010 | Felix | Permalink

Es ist ein wenig fröstelig hier drüben

Sicher, das Original kam in Englisch daher. Bei der Übertragung der Qatar Masters am vergangenen Wochenende meinte der Kommentator – im Bild Álvaro Quirós im kurzärmligen Polohemd vor der langsam untergehenden Wüstensonne am wolkenfreien Himmel – es würde nun „a bit chilly“ auf der Anlage werden. Entschuldigung!? A bit chilly!? Tagsüber in der Wüste!? Das ist nicht chilly, niemals. Nein, meine Lieben, das hier, das ist chilly:

Elbe

So sieht es tatsächlich ganz aktuell in Hamburg aus, und das große Dingenskirchen im Hintergrund ist – völlig korrekt geraten – tatsächlich die Elbe. Gut, bei solchen Bildern aus der Heimat ist es dann denke ich auch durchaus verständlich, dass ich bei diesem grotesken Einsatz des Wortes „chilly“ vor meinem Rechner umhergesprungen bin wie eine dieser Druckluftpistolen zum Reinigen von Schuhen und Schlägern, der man den Abzug mit Gaffer festgeklebt hat um sich mal wieder so richtig schlapp zu lachen.

Klar, ich habe mich dann auch wieder beruhigt. (Später.) (Sehr viel später.) Schließlich können wir uns doch alle noch irgendwie erinnern, dass wir im letzten Sommer ein ähnliches Luxusproblem hatten. „Oh, jetzt wird’s aber doch frisch“, Pullover drüber, fertig. Nur tut es ein einzelner Pullover schon seit geraumer Zeit einfach nicht mehr. Es müssen mindestens zwei sein, dazu eine lange Unterhose, eine dicke Mütze, Handschuhe, Schal und eine Expeditionsjacke. Ach ja, und eine Tüte Streugut. Exakt dieses Ensemble ist aber das internationale Zeichen für „Hier ist Winter, an Golf ist gerade nicht zu denken“. Und so schön dieser Winter auch ist – knackig, kalt, klar, weiß –, es fängt langsam an zu grummeln. Gerade wenn man sieht, wie die Jungs von der Europäischen Tour schon wieder in kurzen Ärmeln auf Punktejagd sind, dann fängt da drinnen ein Motor an zu arbeiten, dann fängt man an die Welt wieder in Schlägerlängen zu sehen, dann hört man schon wieder dieses beruhigende Geklöter der Hölzer und Eisen im Bag, dann riecht man Rasen obwohl keiner da ist. Und genau das halte ich jetzt einfach nicht mehr länger aus; diese Winterlähmung. Ich kann einfach nicht mehr. Ich muss jetzt sofort etwas für die kommende Saison tun. Etwas sinnvolles, etwas bedeutendes. Irgendwas. Hauptsache tun. Ha, und ich weiß jetzt auch was. Ich gehe schon mal meine Schuhe putzen.

Fitnesstipps, Alternativsport, Verdrängung – wie packst du es durch den Winter?

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Kommentare [8] | Kategorien: Privatsache, Unterhaltung

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Es gibt 8 Kommentare:

Jannes am 04.02.2010 um 21:44 Uhr:

Also ich gebe ja zu, bisher war jeder Winter für mich Glühwein trinken, auf dem Sofa rumliegen und Golf aus dem Kopf zu bekommen. Zugegeben, letzteres fällt einem doch sehr schwer, aber tatsächlich haben meine Schläger Jahr für Jahr einen „Winterschlaf“ über ca.fünf Monate auf dem Dachboden abgehalten. Doch in diesem Jahr habe ich mich gefragt, ob sie das wirklich verdient haben – und ich bin zu dem Ergebnis gekommen: NEIN VERDAMMT, DAS HABEN SIE NICHT VERDIENT!

Ist es nicht jeder einzelne von unseren 14 kleinen „Kindern“, die uns Runde für Runde, Schlag für Schlag dieses Gefühl von Freude und Glückseligkeit schenken. Die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern wenn sie uns einen Schlag mit Backspin schenken oder einfach mal tot neben der Fahne liegen bleiben?! Unsere „Kinder“ haben auch Gefühle und für kein Kind ist es gut, wenn es in den Keller eingesperrt wird oder auf dem Dachboden verharren muss – daraus resultiert eine schlechte „Vater-Kind-Beziehung“. Warum sollten mir diese Schläger je wieder schöne Schläge schenken, nachdem ich sie so behandelt habe??!! Deshalb läuft es diesen Winter anders! – Sie dürfen bei mir in der schön beheizten Wohnung leben und werden einmal die Woche brav auf ihren Golfplatz gebracht. Sei es bei Minusgraden oder schneestürmischen Verhältnissen. ich kann doch mein Kind auch nicht fünf Monate aus der Schule nehmen oder von seinen Freunden trennen! Meine Kinder freuen sich nun, dass sie einmal die Woche in ihrem gewohnten sozialen Umfeld sind – und sie zahlen es mir mit einem unglaublichen Feedback im Treffmoment zurück! Zwar sehen sie nicht das gewohnte grün, aber weiß kann auch sehr abwechslungsreich und schön sein! Schließlich wird man jetzt mit dem Lehrer an der Technik arbeiten und schafft so eine ideale Grunlage für die kommende Saison. Die Saisonvorbereitung läuft daher bei mir – oder sollte ich besser sagen bei uns – bereits auf Hochtouren! Ich meine das verlangt ja auch schon der Wortlaut – SaisonVORBEREITUNG. Wir kann ich mich bitte im Mai auf eine Saison „vorbereiten“, die bereits läuft???

Zum Glück sind wir ja hier oben auch echte Norddeutsche und scheißen auf die Kälte – zugegeben, wenn ich mir die Jungs auf der Tour angucke werde ich auch etwas neidisch. Aber ich liebe meine Kinder und mit Ihnen bin ich immer glücklich, egal was da draußen gerade los ist.

Also leibe Golffreunde, geht da raus und geht eurer Leidenschaft nach – ihr werdet viel Liebe zurückbekommen, glaubt mir!

Abschließend möchte ich nur ein Zitat eines alten Sylturlaubers ein wenig umwandeln, welches sich von nun an jeder von euch da draußen zu Herzen nehmen sollte: „Auf dem Golfplatz gibt es kein schlechtes Wetter, nur die falschen Klamotten!“

Marc am 05.02.2010 um 15:51 Uhr:

Überzeugt… ich geh jetzt auf die range..

Ann-Paulin am 05.02.2010 um 17:47 Uhr:

oh herrje, Jannes, bei deinem beitrag werden mir die augen ganz feucht… zum einen, weil du so rührend von deinen kindern sprichst und zum anderen, weil mir dabei bewusst wird, was für eine rabenmutter und uni-karrieregeile frau ich doch bin. klausuren, hausarbeiten und bürodienst haben höhere priorität als meine kleinen?! was ist da los? meine kinder wurden einfach über den winter zu ihren großeltern in den keller abgeschoben, dort leben sie dunkel und allein gelassen zwischen anderem gerümpel… ohje… ohje… und seufz…
FAZIT: ich bin bekehrt und gelobe besserung!!!

P.S.: immerhin ein kleiner trost: cousinen und cousins, sowie onkel und tanten leisten meinen lieben vernachlässigten kindern gesellschaft…

Jannes am 05.02.2010 um 23:38 Uhr:

Ach Ann-Paulin, ich hätte ja gedacht Du wärst auch mehr so der Familienmensch… aber da Du ja Besserung gelobt hast, bin ich beruhigt! :-)

Sebastian am 06.02.2010 um 11:42 Uhr:

moin ihr vorbildlichen väter und rabenmütter,

also erstmal ein kompliment an jannes: einmal die woche (golf)schule für deine kleinen…das finde ich nachahmenswert! werde gleich nächste woche meinen ersten pädagogischen ausflug auf die range unternehmen;-) wobei meine süßen natürlich noch nie im keller oder auf dem dachboden gewesen sind, sondern hier in meiner wohnung immer schön freilauf haben…mein putter hat da seit kurzem besonderes glück: der steht seit einigen wochen vor der küche rum und wird morgens, mittags und abends jeweils ein paar mal auf meinen neuen minigolfteppich ausgeführt…und meine nummer sieben darf es sich sogar auf dem sofa bequem machen, von wo aus es manchmal als ventilator durch die luft geschwungen wird…
insofern bin ich umso enttäuschter von der rabenmutterschaft von frau steigerwald…tsetsetse…so geht das doch nicht, auch wenn das in eurer familie offenbar so gehandhabt wird;-) aber da du ja besserung gelobt hast, werde ich das jugendamt mal noch nicht informieren…

in diesem sinne: reingehauen! den winter ham wa schließlich so gut wie geschafft…

Ann-Paulin am 06.02.2010 um 17:42 Uhr:

gute Neuigkeiten:

soeben ereilte mich die freudige Nachricht aus dem großelterlichen Hause S. in H., dass Klein-Putterchen, der meist nicht so große Entfernungen zurücklegt, es nun doch bis ins Wohnzimmer geschafft hat. Dort tragen Großvater und Onkel mit ihm ein süßes Samstagsturnier über als Grünersatz dienende weiche Teppiche aus. Der Kleine scheint ganz glücklich zu sein und hat schon freudig nach dem Kommen seiner Muddi gefragt, die ihm nächstes Wochenende nach überstandenen Strapazen der Unternehmensgründung dann ebenfalls ihre ganze Aufmerksamkeit und Liebe schenken wird. Dabei werden auch die anderen Kinderchen nicht ausgeschlossen sein, sondern dürfen sich auf ein schönes Familienwochenende freuen! Auch die Geburtstagsfeierlichkeiten werden natürlich zusammen genossen… Vielleicht bekomme ich ja trotz Vernachlässigung in den letzten Monaten ein paar schöne Schläge für die kommende Saison geschenkt?! Muddi ist gespannt… ;)
P.S.: Fortsetzung folgt…

Jannes am 09.02.2010 um 00:08 Uhr:

Wie jetzt, Du hast ein Unternehmen gegründet?? Also ich habe dasUnternehmen Handicap-Attacke gegründet - bringt zwar kein Geld aber dafür ne Menge Spaß! ;-)

Felix am 09.02.2010 um 00:25 Uhr:

Unternehmen, ich höre immer Unternehmen. Ich gründe einfach mal ein Übernehmen, und ich nenne es Kobra.

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